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ÖFFENTLICHE SICHERHEIT
d. Magazin d. Innenministeriums Nr. 1-2/2001 Jan. - Feb. 2001 |
LESERBRIEFE
Drogenpolitik
Öff. Sicherheit Nr. 9-10/00 Text: (auszugsweise)
Die Polizei bekämpft mit hohem Aufwand den Drogenhandel weltweit mit minimalem Erfolg.
Die Dämonisierung von Cannabis ist verglichen mit gesundheitlichem und
volkswirtschaftlichem Schaden durch Alkohol unangemessen. Die Zahl der Alkoholkranken
ist groß, es gibt zahlreiche Kinder mit Alkoholembryopathie. Embryonalschäden
durch Cannabis sind nicht bekannt.
Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Drogenpolitik ist die Akzeptanz
der Realität, dass eine alleinige Verfolgung der Händler und die halbherzige
Behandlung von Suchtkranken nicht zum Erfolg führen können.
Wenn die Süchtigen ausreichend substituiert sind, brauchen sie nicht zu dealen, sie müssten sich nicht prostituieren, nicht einbrechen, rauben, stehlen. Sie brauchen auch keinen Eigenbedarf. Es gibt dann eine scharfe Grenze zwischen Verbrechen und Krankheit. Das ist zwar nicht typisch österreichisch, aber vielleicht sinnvoll.
Cannabis könnte in der Trafik verkauft werden, dann wäre es auch
keine Einstiegsdroge mehr, weil der Kontakt mit dem Dealer ("Probier was
Besseres!") wegfällt. Der Reiz des Verbotenen würde ebenfalls
wegfallen.
Die auf den Verkauf von Cannabis eingehobenen Steuern könnte man zweckgebunden
für Präventionsmaßnahmen, Behandlung von Suchtkranken und zur
Bekämpfung des Suchtgiftgroßhandels verwenden.
Die Drogenpolitik scheitert nicht an der Liberalität, sondern am Fehlen
einer klaren Trennung zwischen Krankheit und Verbrechen, an mangelhafter Konsequenz,
an Wunschträumen und an einer undifferenzierten Bewertung der Gefährlichkeit
der verschiedenen Drogen.
Ich hoffe, dass es wenigstens im Polizeiapparat eine fruchtbare Diskussion geben
wird. Eine sinnvolle politische Diskussion ist nicht zu erwarten, da niemand
an einer Lösung des Problems wirklich interessiert ist.
Das Problem der illegalen Drogen ist perfekt geeignet, um vom Alkoholmissbrauch
und anderen Problemen abzulenken.
Dr. Stefan Thalhammer
Amtsarzt der Bundespolizeidirektion Wien