Cannabis ist im allgemeinen gut verträglich und zeigt in
therapeutischer Dosierung keine körperlichen
Langzeitnebenwirkungen. Sämtliche Wirkungen von Cannabis sind
reversibel, d.h. selbst nach jahrelangem, chronischem starkem
Gebrauch verschwinden eventuelle Folgen (z.B. Beeinträchtigung der
Gedächtnisleistung) binnen kurzer Zeit nach dem Absetzen der
Droge.
Akute unerwünschte Wirkungen können sein:
Herzfrequenzbeschleunigung, Blutdruckabfall, Mundtrockenheit und
Bindehautreizung. Einige Personen reagieren auch mit Übelkeit und
Erbrechen (v.a. bei extrem hohen Dosierungen).
Rauchen ist ganz allgemein eine Konsumform, die die
Atemwege schädigt, wobei es völlig unerheblich ist, was Sie
rauchen - das Problem sind die Verbrennungsrückstände, Benzpyrene,
Teer und dgl. mehr. Cannabis kann in anderer Form - oral oder
inhalativ ohne Verbrennungsprozesse, Stichwort Aromizer-
konsumiert werden.
Die psychischen Nebenwirkungen - das "High", um
derentwillen der genussorientierte Cannabiskonsum erfolgt - treten
bei therapeutischem Gebrauch häufig gar nicht auf, weil viele der
erwünschten Wirkungen bereits bei Dosierungen unterhalb der
psychotropen Schwelle eintreten. Falls doch, wird der Rausch von
vielen genossen, von manchen aber auch nicht toleriert. Die damit
zusammenhängenden Schwierigkeiten sind aber in erster Linie eine
Frage der richtigen Dosierung.
Folgende Personengruppen sollten vorsichtig sein und nur
geringe Mengen oder gar kein Cannabis konsumieren:
Schwangere: Es gibt keine hinreichenden Hinweise darauf,
dass Cannabis zu Entwicklungsstörungen beim Embryo oder Fetus
führt. Schwangere sollten jedoch grundsätzlich unnötige
Medikamente und Drogen meiden. Liegt allerdings eine Indikation
vor, wie etwa Schwangerschaftserbrechen, stellt Cannabis
sicherlich ein vergleichsweise gefahrloses Präparat dar. Bei der
Geburt selbst kann Cannabis ausgesprochen hilfreich sein: Es
fördert die Gebärmutterkontraktionen, entspannt und reduziert den
Schmerz.
Stillende Mütter: Etwa 10 bis 20% der
Blut-THC-Konzentration findet sich in der Muttermilch.
Kinder vor der Pubertät: Insbesondere vor der Pubertät kann das
komplexe hormonelle Zusammenspiel durch Beeinflussung der
Hormonsekretion der Hirnanhangdrüse reversibel gestört werden. Der
Eintritt der Pubertät kann eventuell bei regelmäßigem starken
Konsum verzögert werden. Dies wurde allerdings bisher nur in einem
Fall - bei starkem Marihuanakonsum eines männlichen Jugendlichen -
konkret nachgewiesen.
Herzkranke: Cannabis führt zu einer Zunahme der
Herzfrequenz und eventuell zu einem Abfall des Blutdrucks.
Einzelbeobachtungen deuten darauf hin, dass Cannabis bei
Herzkranken wegen des blutgefäßerweiternden Effektes auch günstig
wirken kann. Überdosierungen sind zu vermeiden. Für den
gefäßerweiternden und auch den herzfrequenzbeschleunigenden Effekt
besteht eine Toleranzentwicklung.
Patienten mit Psychosen: Bei latenter Psychose kann die
Krankheit ausbrechen. Bei bekannter Erkrankung kann ein
psychotischer Schub ausgelöst werden. Viele Psychotiker vertragen
Cannabis jedoch problemlos und reagieren nur auf starke
Halluzinogene wie LSD oder stimulierende Substanzen wie Kokain.
Die wichtigsten Nebenwirkungen medizinischen Cannabisgebrauchs
sind heute auf die rechtliche Situation, die Illegalität des
Cannabiskonsums, zurückzuführen. Sie beziehen sich nicht nur
auf die mit der Kriminalisierung verbundene Stigmatisierung des
Konsumenten, sondern auch
- auf die Reinheit des am illegalen Markt erworbenen Produkts,
- auf die Dosierbarkeit des medizinisch gewünschten Effektes,
- auf die Entwicklung geeigneter Applikationsformen,
- auf die vertiefende Erforschung der Wirkungen.