Kanada: Cannabis übers Internet
(22.12.2002)
Ein
Richter aus Quebec hat am 19. Dezember einen Drogenhandel-Prozess
beendet und alle Anklagepunkte gegen zwei Aktivisten, Marc-Boris
Saint-Maurice und Alexandre Neron, die Cannabis in einem
Montrealer Klub für den medizinischen Konsum verteilt haben,
fallen gelassen. Richter Gilles Cadieux erklärte, das Fehlen einer
legalen Marihuana-Quelle für Personen, die Cannabis medizinisch
verwenden dürfen, nehme ihnen Recht auf Leben und Freiheit. Kurz
nach der Entscheidung startete die Marijuana-Partei eine
Internetseite zum Verkauf von Cannabis an Patienten unter
www.marijuanahomedelivery.ca.
(Quelle: IACM-Informationen 22.12.2002)
ÖBIG-Bericht zur Drogensituation in Österreich 2001
(12.12.2002)
Das Österreichische Bundesinstitut für
Gesundheitswesen (ÖBIG) hat am Montag den neuen Drogenbericht für
Österreich veröffentlicht und darin die die Trends der Vorjahre
bestätigt. Mehr als ein Drittel der jungen Erwachsenen hat laut
der abgefragten Lebenszeitprävalenz bereits Erfahrungen mit
Cannabis.
Das Interesse an Drogenexperimenten steigt, insbesondere die
ethnobotanischen Substanzen (Pilze, Kakteen,
Nachtschattengewächse) rücken zunehmend ins Zentrum des
Interesses. Sie bilden vielfach eine Möglichkeit zum legalen
Drogenkonsum, der Umgang mit ihnen ist allerdings aufgrund
fehlender Information und Aufklärung mitunter problematisch.
Da die Repression steigt, ist das Ausweichen auf unbekanntes,
wenigstens aber legales Drogenterrain ein Selbstläufer der
Drogenpolitik. Fachleute befürchten, dass durch den großen
Unterschied zwischen der rechtlichen Situation und der
Alltagssituation die "Drogenpolitik insgesamt an Glaubwürdigkeit
verlieren könnte". Diese Einschätzung dürfte auch der Wiener
Drogenkoordinator Peter Hacker teilen, der vor allem die steigende
Repression kritisiert. Verurteilungen nach dem Suchtmittelgesetz
machen bereits zehn Prozent aller Verurteilungen aus, in
steigendem Maße werden auch Freiheitsstrafen verhängt.
Demgegenüber steht die wachsende Zustimmung in der Bevölkerung für
Therapie statt Strafe bzw. Entkriminalisierung von Abhängigen wie
auch die Legalisierung von Cannabis.
Der
ÖBIG-Bericht in voller Länge als Zip-File zum Download (3,5
MB)
Neuer Cannabis-Report bestätigt bisherige Erkenntnisse
(12.12.2002)
Der "Cannabis 2002 Report" entstand auf
Initiative von fünf nationalen Gesundheitsministerien (Belgien,
Frankreich, Deutschland, Niederlande und der Schweiz). Die
Resultate in Stichworten: Bereits 45 Millionen Bewohner von
EU-Staaten haben Cannabis konsumiert. Cannabis gilt nicht als
Einstiegsdroge für den Konsum sogenannter harter Drogen. Die
Gefahren von Cannabis liegen vor allem in der Schädigung der
Atemwege, sofern Cannabis geraucht wird, und in der Begünstigung
von psychischen Störungen bei entsprechender Veranlagung wie z.B.
latenter Schizophrenie. Cannabiskonsum senkt Konzentration und
Gedächtnisleistungen, jedoch nur kurzfristig und reversibel, es
sind keine Langzeitwirkungen festgestellt worden. Das sogenannte "Amotivations-Syndrom"
(der antriebslose, faule Kiffer) lässt sich wissenschaftlich nicht
feststellen, der dauerhafte Konsum bei Kindern und Jugendlichen
beeinträchtigt jedoch die Entwicklung. Der überwiegende Anteil der
Konsumenten hat durch seinen Cannabiskonsum keine Probleme und ist
nicht abhängig.
Der
Report (engl.) als pdf-Dokument zum Download (625 kB)
Cannabiskonsum vom Preis, nicht von der Rechtslage gesteuert
(9.12.2002)
Eine Studie der Volkswirtschaftlerin Jenny
Williams der australischen Adelaide University führte zu dem
Ergebnis, dass der Erwerb von Marihuana deutlich stärker von
ökonomischen als juristischen Zwängen bestimmt wird. Dr. Williams,
die ihre Ergebnisse vor der jährlichen Southern Economic
Association's Konferenz in Washington D.C. präsentieren wird,
glaubt, dass ihre Arbeit auch für Fragen in der Drogenpolitik
nützlich sein kann.
Während ihrer Beobachtung wurde deutlich, dass
Geld- oder Gefängnisstrafen nur einen geringen Einfluss auf das
Verhalten von Marihuanakonsumenten hatten. Stieg jedoch der Preis
für hochwertiges Cannabis pro Gramm von 32 auf 38 australische
Dollar, änderte sich das Verbraucherverhalten deutlich. In diesem
Fall sank die durchschnittliche Zahl der Käufer um 16, die der
wöchentlichen Konsumenten sogar um 23 Prozent. Höhere
Gefängnisstrafen für den Besitz von Cannabis dagegen wirkten nur
bei 2-3 Prozent der Verbraucher. Dr. Williams sieht darin "einen
starken Beweis, dass die Marihuananachfrage in erster Linie
preisabhängig ist und eine geschickte Preispolitik den Verbrauch
effektiver reduzieren kann als Strafen der Justiz."
Williams rät Politikern, die Legalisierung von
Marihuana zu erwägen. Der Wegfall juristischer Strafen und die
Einführung von Steuern könnten nach ihrer Auffassung den
Cannabisverbrauch erheblich verringern. Der staatlich geregelte
Handel von Marihuana trage außerdem dazu bei, Schulkinder besser
zu schützen, so wie es jetzt bereits durch den kontrollierten
Verkauf von Zigaretten und Alkohol der Fall ist.
Quelle: Marion Herzog, Bild der Wissenschaft
online
Studie: Cannabis keine Einstiegsdroge
(8.12.2002)
Eine Studie des
RAND, einer
US-Nonprofit-Organisation mit den Schwerpunkten Forschung und
Analyse zur Bereitstellung gesicherter Entscheidungsgrundlagen,
widerspricht der Theorie von Cannabis als Einstiegsdroge. Unter
Verwendung der Daten der Nationalen Haushaltsumfrage zum
Drogenmissbrauch (National Household Survey on Drug Abuse) von
1982 bis 1994 folgerte die Studie, dass Jugendliche, die harte
Drogen nehmen, dazu prädisponiert seien, unabhängig davon, ob sie
vorher Cannabis probiert hatten oder nicht.
Der vermutete "Marihuana-Einstiegsdrogeneffekt"
sei "nicht die beste Erklärung für die Beziehung zwischen
Marihuanakonsum und dem Konsum harter Drogen," erläuterte Andrew
Morral, leitender Autor der Studie. "Die Menschen, die zum
Drogenkonsum prädisponiert sind und die Möglichkeit haben, Drogen
zu verwenden, konsumieren wahrscheinlicher sowohl Marihuana als
auch härtere Drogen. Marihuana kommt typischerweise zuerst, weil
es leichter verfügbar ist. "
"Dies ist eine sehr wichtige Studie mit
umfassenden Implikationen für die Politik zur Marihuanakontrolle,"
erklärte Charles R. Schuster, ein ehemaliger Direktor des
Nationalen Instituts für den Drogenmissbrauch und nun Direktor des
Suchtforschungsinstituts der Wayne State Universität. "Ich kann
nur hoffen, dass sie mit Objektivität gelesen, nach ihren
wissenschaftlichen Verdiensten beurteilt und nicht reflexartig
zurückgewiesen wird, weil sie den Glauben der meisten Politiker
stört."
(Quellen: www.rand.org, IACM-News 8.12.2002)
Hanftest: Immer stärkeres Cannabis (3.12.2002)
Der Konsum von Cannabis soll in der Schweizer
Zukunft straffrei sein. Der Ständerat hat bereits grünes Licht
gegeben. In der Frühlingssession kommt die Vorlage vor den
Nationalrat. Falls er zustimmt, tritt das revidierte Gesetz
frühestens 2004 in Kraft. In der Zwischenzeit wird in der Schweiz
eifrig gekifft - und zwar überwiegend stärkster Tobak aus
heimischem Anbau. "Kassensturz", ein Konsumentenmagazin, machte
den Test und ging in zahlreichen Schweizer Städten Haschisch und
Marihuana einkaufen - sowohl in Hanfläden als auch auf der Straße.
57 Proben brachte Kassensturz ins Institut für Rechtsmedizin der
Uni Bern.
"Seit 1997 hat ein Riesensprung zu höheren
THC-Werten stattgefunden", sagt Rechtsmediziner Werner Bernhard
von der Uni Bern. Früher habe man Werte zwischen 1,5 und 6 Prozent
gemessen, heute Werte von bis zu 28 Prozent. Die Ergebnisse der
Untersuchung:
* Nur 20 % der Proben hatten einen THC-Gehalt unter 10 %. So stark
war früher nicht einmal der stärkste Hanf.
* Der Großteil der Hanfproben hatte einen THC-Gehalt von 10 bis 20
%. Eine weitere Erkenntnis: Auf dem Markt ist fast ausschließlich
Schweizer Hanf.
* Jede fünfte Probe enthielt über 20 % THC.
"Gründe für den dramatischen Trend zu
hochprozentigem Hanf sind unter anderem das verbesserte Know-How
und Hightech-Indoor-Anlagen", sagt Rudolf Brenneisen,
Pharmazieprofessor an der Uni Bern. Die stärksten Sorten, das
beweist die Untersuchung, wachsen in geschlossenen Räumen. Das
Geschäft ist lukrativ: Ein Kilo Indoor-Gras wird im Laden um rund
6.000 Euro verkauft.
Die hohen THC-Gehalte stellen v.a. für
unerfahrene Konsumenten ein Risiko dar. Ruedi Stohler, Leitender
Arzt der Suchtabteilung an der Psychiatrischen Uniklinik Zürich,
behandelt vermehrt Cannabis-Patienten. Sie klagen vor allem über
Angstzustände oder Gedächtnisstörungen - typische Folgen der
leichter möglich gewordenen Überdosierungen.
Erhebung gestartet: Cannabis als
Medizin in Österreich (25.11.2002)
Wer braucht Cannabis als Medizin in
Österreich? Gegen welche Symptome und Krankheiten wird es
eingesetzt? Welche Erfahrungen wurden mit Dronabinol, Nabilon,
Haschisch und Marijuana als Therapeutikum gemacht? Wie verhalten
sich Ärzte, Apotheker, Krankenkassen und Behörden, wenn es um
Cannabis in der Medizin geht?
Auf diese und noch viele andere Fragen
sucht die CAM Antworten - Antworten von Ihnen. Wenn Sie
Erfahrungen mit Cannabis oder Cannabinoiden als Medizin gemacht
haben oder gerne machen würden, füllen Sie unseren Fragebogen aus
und senden Sie ihn per Post oder Fax an:
CAM, Lindengasse 27, Fax: 01/ 523 14 006
Sie finden den Fragebogen in vielen
Hanfshops in ganz Österreich, können ihn bei uns direkt
anfordern oder hier
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Fragebogen im Format Word für Windows:
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Fragebogen im pdf-Format:
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Großbritannien: Cannabis-Präparate kurz vor Zulassung
(5.11.2002)
Klinische Versuche bei MS-Patienten sprechen von großen
Erfolgen
Cannabis als Medizin soll schon im kommenden
Jahr Realität in Großbritannien werden. Die klinischen Versuche,
die bereits in der Endphase laufen, geben dem Naturprodukt
hervorragende Noten, berichtet
BBC-online.
Das Pharma-Unternehmen
GW
Pharmaceuticals, das die staatliche Erlaubnis hat die Tests
mit Cannabis-haltigen Medikamenten durchzuführen, hatte die
Produkte bei Patienten, die an multipler Sklerose leiden,
getestet.
Insgesamt wurden in der Testphase III rund 350
MS-Patienten und Menschen, die an anderen Nervenentzündungen
litten, getestet. Das Cannabis-Präparat wurde den Patienten als
Spray verabreicht. Nach der Gabe der Cannabis-Medizin verbesserte
sich der Zustand der Patienten deutlich. Die Probanden litten an
einer deutlichen Verminderung von Schmerzen, spastischen Anfällen
und Schlafstörungen. "Das neue Präparat zeigt bessere Wirkungen
als andere auf dem Markt befindliche Produkte", zeigt sich Philip
Robson, medizinischer Direktor von GW, überzeugt. Insbesondere die
neuralgischen Schmerzen bereiteten den Medizinern bisher immer
Kopfzerbrechen, da herkömmliche Medikamente diese nur schwer oder
unzureichend lindern konnten. Auch GW-CEO Geoffrey Guy zeigt sich
nach Angaben von BBC positiv überrascht von der Wirkung des
Präparats. "Die Ergebnisse haben die Erwartungen übertroffen", so
Guy.
GW Pharmaceuticals hat in einer eigenen
Zuchtanstalt, die sich an einem geheimen Ort in England befindet,
40.000 Cannabis-Pflanzen kultiviert. Nach dem Zulassungsverfahren,
das Anfang 2003 von der britischen Medicines Control Agency
erledigt sein soll, will das Pharmaunternehmen das fertige
Medikament auf den Markt bringen. Dieses soll dann Mitte kommenden
Jahres bereits erhältlich sein. Die britische Regierung hatte
schon vorher mitgeteilt, dass im Falle eines positiven
Abschneidens der Versuche der Zulassung des Cannabis-Präparates
nichts im Wege stehen soll.
Quelle: pte
Immer mehr Wiener probieren Cannabis
(3.11.2002)
Immer mehr Wiener Jugendliche "probieren" Cannabisprodukte aus
- und halten sie für immer weniger gefährlich. So lautet eines der
Ergebnisse des Wiener Jugendgesundheitsberichts 2002.
31 Prozent haben Erfahrung
Cannabis hat unter Jugendlichen den Charakter einer "illegalen
Alltagsdroge", steht im Bericht. 31 Prozent der 15- bis 29jährigen
haben Erfahrung mit Cannabis. In den meisten Fällen handelt es
sich um "Probieren" und gelegentlichen Konsum. Die
Probiererfahrung, heißt es im Wiener Jugendgesundheitsbericht, sei
in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Gleichzeitig werde
diese Droge von Jugendlichen als immer weniger gefährlich
eingeschätzt. 40 Prozent halten Haschisch für gefährlich - sieben
Jahre zuvor waren es noch 68 Prozent.
Ecstasy-Konsum variiert nach Schultyp
Amphetamine und Amphetaminderivate (z.B. Ecstasy) stellen laut
Wiener Jugendgesundheitsbericht die wesentliche Veränderung im
Drogenkonsum Jugendlicher in den letzten Jahren dar.
Erfahrung mit Ecstasy haben von den 15 bis 29jährigen nach eigenen
Angaben zwei Prozent, vier Jahre zuvor waren es sechs Prozent.
Ähnlich die Zahlen für Amphetamine.
Beim Ecstasy-Konsum gibt es Unterschiede zwischen den Schultypen.
Bei einer Untersuchung im Jahr 1998 lagen die BerufsschülerInnen
mit 8,5 Prozent vor den PolytechnikerInnen mit 7,3
Prozent, die
AHS-OberstufenschülerInnen verfügten zu 2,5 Prozent über
Ecstasy-Erfahrung.
Der Bericht
Das Österreichische Institut für Jugendforschung (ÖIJ)
hat den Bericht aus verschiedenen Untersuchungen zusammengestellt
und dazu unterschiedliche Studien verglichen oder kombiniert.
Die Kapitel befassen sich mit:
- soziodemographischen und sozioökonomischen Daten von
Jugendlichen in Wien (Bevölkerungsanteil, Migration, Ausbildung,
Todesrate, Mutterschaft im Jugendalter, Eheschließungen,
Wohnungssituation, Erwerbsleben).
- gesundheitsrelevanten Einflussfaktoren (Familie, Belastungen
in der Kindheit, Peergruppen, etc.)
- Epidemiologie (Selbsteinschätzung, Stress, Wohlbefinden,
chronische Erkrankungen, Zahngesundheit, Arzneimittel und
Arztbesuche, Unfälle, Todesursachen, Behinderungen)
- Suchtmittelkonsum (Nikotin, Alkohol, Cannabis, Ecstasy,
Amphetamine, Opiate, Kokain, etc.)
- Ernährung und Bewegung (Essstörungen, Sportunfälle,
Haltungsschäden, etc.)
- Sex (Aufklärung, Verhütung, Missbrauchserfahrung, AIDS,
Schwangerschaftsabbrüche, etc.)
Quelle: ORF ON,
Österreichisches Institut für Jugendforschung