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News 2005

IACM-Konferenz Leiden - Ergebnisse (20.09.2005)

1. Cannabis bei MS: In einer Langzeitstudie mit Sativex (THC und CBD auf pflanzlicher Basis als Spray) konnte festgestellt werden, dass therapeutische Wirkungen von Cannabis auf die Spastik bei der multiplen Sklerose offensichtlich langzeitig erhalten bleiben, ohne Zeichen einer Toleranzentwicklung; die tägliche THC-Dosis konnte sogar von 30 auf 25 mg reduziert werden bei einem stabilen Spastikwert von etwa 45% des Vorstudienniveaus.

2. Cannabis bei Neuropathie: In einer kalifornischen Studie wurden 50 Patienten mit peripherer Neuropathie mit gerauchtem Cannabis (5 Tage lang dreimal täglich) oder Placebo behandelt. Die Hälfte der Patienten, die Cannabis erhielten, berichtete von einer Schmerzreduktion von mehr als 30% (6 von 25 der Placebogruppe). Insgesamt wurde die beobachtete Schmerzreduktion auch als größer eingestuft. Der Schluss daraus: Cannabis wirkt als neuropathisches Schmermittel in etwa auf dem Niveau des häufig bei dieser Diagnose verwendeten Gabapentin.

3. Cannabidiol (CBD) bei Schizophrenie: An der Uni Köln wurden Cannabidiol und Amisulprid (ein etabliertes antipsychotisches Medikament) bei 42 Patienten mit akuter Schizophrenie verglichen. Die CBD-Dosis betrug vier Wochen lang täglich 800 mg oral. In der Wirkung waren die beiden Präparate einander ebenbürtig, CBD verursachte jedoch signifikant weniger Nebenwirkungen.
(Quelle: Abstract-Buch www.cannabis-med.org, IACM-Informationen 17.09.05)


Endocannabinoide als Schmerzmittel (23.06.2005)

Wissenschafter der University of California und der University of Georgia haben nachgewiesen, dass die im Gehirn natürlich produzierten Endocannabinoide (körpereigene Cannabinoide) bei der Schmerzlinderung helfen. Diese Forschungsergebnisse sollen zur Entwicklung neuer Medikamente führen, die diese natürliche Reaktion anregen können. Die Wissenschafter schreiben in Nature, dass das neue Wissen um die Funktionen der Gehirnchemie Medikamente mit geringeren Nebenwirkungen ermöglichen sollte.

Tritt Schmerz unter stressigen Bedingungen wie durch eine Verletzung beim Sport oder durch eine Schussverletzung auf, ist der Körper eine Zeitlang durch die so genannte stressinduzierte Analgesie geschützt. Die aktuelle Studie erforschte erstmals an Ratten, welche Rolle die Endocannabinoide in diesem Prozess spielen. Es zeigte sich, dass die Produktion eines Cannabinoidbestandteils, 2-AG, durch mit Stress in Zusammenhang stehendem Schmerz ausgelöst wird. In der Folge suchten die Wissenschafter laut BBC nach einer Möglichkeit diese natürliche Reaktion zu verstärken. Normalerweise stoppt das Enzym Monoacylglycerol Lipase die Produktion von 2-AG. Das Team um Danielle Piomelli von der University of California entwickelte eine Chemikalie, die die Reaktion des Enzyms blockierte.
(Quelle: pte, 23.06.05)


Verfolgung medizinischer Cannabisnutzer rechtens (15.06.2005)

USA: Das Imperium schlägt zurück, Teil 1
Ein mit sechs zu drei Stimmen erfolgtes Urteil des Obersten Gerichtshofs hebt das Urteil eines Bundesberufungsgerichts aus dem Jahr 2003 auf, das das kalifornische medizinische
Cannabisgesetz aus dem Jahre 1996 vor dem Zugriff durch die Bundesdrogenbehörden geschützt hat. Das Berufungsgericht war der Auffassung gewesen, dass der Kongress kein Recht habe, den nichtkommerziellen Anbau und die Verwendung von Cannabis zu regulieren, solange die Droge nicht die Staatengrenzen überschreitet. Der Oberste Gerichtshof ist anderer Auffassung.

Das Urteil des Obersten Gerichtshofs ist eine kräftige Wiederbehauptung der bundesbehördlichen Rechte und offenbart einen tiefen Riss zwischen den Richtern, die im
vergangenen Jahrzehnt eine Mehrheit für eine Anzahl von Entscheidungen ergeben hat, die die Macht des Kongresses gezügelt und die Rolle der Staaten gestärkt haben. Die aktuelle Entscheidung ist nicht notwendigerweise das letzte Wort zu medizinischem Cannabis, weder von den Gerichten noch von anderen Stellen der Regierung.

Richter John Paul Stevens, der anmerkte, dass "vielleicht wichtiger als diese rechtlichen Wege der demokratische Prozess (sei)," schlug vor, dass die Exekutive Cannabis für medizinische Zwecke umklassifizieren könne, oder dass der Kongress das Thema aufgreift. Unterstützer der medizinischen Verwendung von Cannabis wiesen in der Zwischenzeit darauf hin, dass die staatlichen Gesetze in Kraft bleiben und dass der Einfluss der Bundesbehörden in diesem Bereich gering sei. Allen Hopper, ein Anwalt des Drogenreformprojektes der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, erklärte, dass die Bundesregierung nur ungefähr ein Prozent der Strafverfolgung wegen Cannabis durchführe.

Richterin Sandra Day O´Connor, eine der drei Abweichler, erklärte, dass obwohl sie nicht für die kalifornische medizinische Marihuanainitiative gestimmt hätte und sie nicht als öffentliche
Politik unterstütze, sie eine Art von Innovation und "Experiment" sei, das sich innerhalb des Bereiches bewege, den die Verfassung den Staaten zugestehe. "Die staatlichen Kernpolitikbereiche haben immer das Recht beinhaltet, die Strafgesetze zu definieren und die Gesundheit, Sicherheit und Wohlfahrt ihrer Bürger zu schützen," erklärte sie.

Frau Angel Raich, eine der zwei Klägerinnen, erklärte gegenüber den Medien, dass sie mit der Verwendung von Cannabis, das ihr vom Arzt verschrieben worden sei und für sie von Freunden angebaut würde, fortfahren werde. "Ich habe keine andere Wahl, als damit weiterzumachen," sagte sie.
(Quellen: New York Times 06.06.05, Reuters 06.06.05, IACM-News 11.06.05)


Sativex Großbritannien: bitte warten (15.06.2005)

UK: Das Imperium schlägt zurück, Teil 2
Am 9. Juni wurde GW Pharmaceuticals informiert, dass die zuständige Behörde (MHRA, Medicines and Healthcare products Regulatory Agency) ihre Entscheidung aufrecht erhalte, wonach eine weitere klinische Studie zur Spastik von Multiple-Sklerose-Patienten notwendig sei, bevor GWs Cannabisextrakt Sativex eine arzneimittelrechtliche Zulassung in Großbritannien erhalten könne. Im Dezember 2004 hatte die MHRA entschieden, dass die Beweise für die Wirksamkeit von Sativex bei MS-Spastik bisher nicht ausreichend überzeugend seien.
GW legte gegen diese Entscheidung bei der Medizinischen Kommission, dem wichtigsten Beratungsgremium der Arzneimittelbehörde, Widerspruch ein.

Professor Mike Barnes, Präsident der Weltgesellschaft für Rehabilitation und Vorsitzender des königlichen Kollegs des ärztlichen Rehabilitationsrates, erklärte: "Es ist meine Meinung, dass es ausgezeichnete klinische Beweise dafür gibt, die Zulassung von Sativex in Großbritannien zu unterstützen. Ich bin sehr enttäuscht, dass die Medizinische Kommission nicht meiner Empfehlung und der anderer führender Experten in der Behandlung der MS gefolgt sind. Menschen mit MS haben einen erheblichen unerfüllten medizinischen Bedarf, und ich bin sehr traurig, dass die Behördenvertreter sich noch nicht in der Position fühlen, dieses wichtige Produkt zuzulassen."

Im Dezember 2004 kündigte GW seine Absicht an, eine weitere MS-Spastik-Studie parallel zum Verfahren mit der medizinischen Kommission zu beginnen. Diese Studie, die 280 Patienten umfassen wird, hat nun begonnenen. Ergebnisse sollen im Frühling 2006 vorliegen.
(Quelle: Presseerklärung von GW Pharmaceuticals vom 10. Juni 2005, IACM-News 11.06.05)


Verlangsamt THC MS? (29.05.2005)

Der britische Medical Research Council (MRC) wird eine dreijährige Studie mit THC bei multipler Sklerose (MS) finanzieren. Der MRC hat 2 Millionen britische Pfund (etwa 3 Millionen Euro) bewilligt, um die CUPID-Studie (Cannabinoid Use in Progressive Inflammatory Brain Disease) zu finanzieren.

Die Studie, die später in diesem Jahr beginnen soll, will 500 Patienten mit fortgeschrittener MS aus neurologischen Zentren in Großbritannien rekrutieren. Die Studie soll herausfinden, ob THC, der wichtigste aktive Inhaltsstoff der Cannabispflanze, das Fortschreiten der Erkrankung
verlangsamen kann.

Die Studie folgt der Untersuchung "Cannabinoide bei MS" (CAMS). Diese hatte sich auf den
symptomatischen Nutzen von Cannabinoiden über einen Zeitraum von 15 Wochen und 12 Monaten konzentriert. Es wurden Hinweise gefunden, dass THC eine Wirkung auf die
Spastik-Werte und Messkriterien der körperlichen Beeinträchtigung bei den Patienten hatte, die THC 12 Monate lang einnahmen, jedoch nicht bei jenen, die die Einnahme nach 15 Wochen beendeten. Da CAMS eine kurze Studie war, hofft man nun, dass bei einer dreijährigen Studie der Wert von THC bei der Verlangsamung des Fortschreitens der MS aufgrund seiner nervenschützenden Eigenschaften deutlicher sichtbar wird.

Studienleiter Dr. Zajicek erklärte: "Zur Zeit gibt es nur sehr wenige Medikamente, die bei der Behandlung der MS wirksam sind, und es gibt keine, die einen nachgewiesenen Effekt in späteren Stadien der Erkrankung aufweisen. Wenn die CUPID-Studie zeigt, dass Cannabinoide eine längerfristige Wirkung auf das Fortschreiten der Erkrankung haben, so hat das potentiell weit reichende Implikationen, nicht nur für die Gesundheit von Menschen mit MS, sondern auch für solche mit anderen neurodegenerativen Erkrankungen."
(Quelle: IACM-Informationen 28.05.05)


Studie: Dronabinol bei pulmonaler Kachexie (28.04.2005)

In Form einer offenen Beobachtungsstudie wurde die Wirkung von Dronabinol bei 18 COPD-Patientinnen und -Patienten über einen Zeitraum von 20 Tagen untersucht. Die Chronical Obstructive Pulmonal Disease (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) war bei 14 der 18 in einem mittelschweren oder schweren Stadium.

Nach dem Beobachtungszeitraum mit der Gabe von 7 bis 9 mg Dronabinol täglich konnte eine durchschnittliche Zunahme des BMI von 17,6 auf 18,2 bzw. eine Zunahme des durchschnittlichen Gewichts der Gruppe von 47,1 auf 48,2 kg beobachtet werden. Auch die funktionelle Leistungsfähigkeit, gemessen mit dem 6-Minuten-Gehtest, wurde signifikant verbessert. Nebenwirkungen traten nur vereinzelt und schwach auf und zwangen keinen der Patienten zum vorzeitigen Abbruch der Dronabinol-Einnahme.

Die Studie im Auftrag der THC-Pharm wurde vorgestellt, jedoch noch nicht publiziert. Eine Langfassung des Abstracts können Sie hier als Word-Doc finden.
(Quelle: persönlicher Email-Kontakt zur THC-Pharm)


Sativex® zugelassen! (26.04.2005)

Sativex®, der bahnbrechende Spray auf der Basis natürlichen Cannabis (sativa), ist endlich als Medikament zugelassen worden. Nachdem die Bemühungen der Entwicklerfirma GW Pharmaceuticals bzw. der Vertreiberfirma Bayer HealthCare, das Medikament in Großbritannien auf den Markt zu bringen, seit Ende 2003 nicht von Erfolg gekrönt wurden, wichen die Verantwortlichen vor wenigen Monaten nach Kanada aus - und wurden rasch belohnt.

Die Zulassung erfolgte unter Einschränkungen: In Bezugnahme auf die klinischen Studien, die für Sativex® durchgeführt worden waren, darf das Cannabispräparat nur gegen neuropathische Schmerzen bei Multipler Sklerose eingesetzt werden. Solche Schmerzen treten in rund der Hälfte der (in Kanada derzeit 50.000) Fälle von MS auf; beschrieben werden sie gewöhnlich als frostiges oder auch brennendes Gefühl in den Gelenken zumeist der unteren Extremitäten. Steve Walsh, seit 5 Jahren von solchen Schmerzen heimgesucht, findet eine eindrucksvollere Beschreibung: "Es fühlt sich an als wäre man ständig an den Strom angeschlossen. Manchmal kann Ankleiden oder jede Art von Berührung bereits unterträglich sein."

Dr. Allen Gordon, Neurologe und Leiter einer kanadischen Schmerzklinik, betont die Wichtigkeit von Schmerzkontrolle bei MS und meint: "Die Zulassung von Sativex® in Kanada wiederspiegelt den dringenden Bedarf für zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten von MS-bedingten neuropathischen Schmerzen." Für zahlreiche Betroffene erwiesen sich die bisher vorhandenen Medikationen als untauglich, weshalb rund ein Drittel nachweislich bereits jetzt zur illegalen Selbstmedikation mit Cannabis als Keks, Tee oder Joint greift.

Kanada ist damit das erste Land der Welt, das ein Medikament auf der Basis von natürlichem Cannabis zulässt: Für Sativex wird THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol, antipsychoaktives Cannabinoid) aus eigens angebautem Medizinalhanf extrahiert; eine Spraydosis enthält 2,7 mg THC und 2,5 mg CBD. Die Applikation - sublingual oder an die Innenseite der Wange gesprayt - wurde als ideale Aufnahmeform für Cannabiszubereitungen erkannt und so designt, dass auch der motorisch eingeschränkte Patient sich auf einfachste Weise selbst helfen kann; die orale Aufnahme in fein verteilter Form verbindet rasche mit relativ lang anhaltender Wirkung, ist vom Wirkungsgrad her gesehen ideal und sehr gut zu dosieren.

Als Nebenwirkungen von Sativex® wurden Übelkeit, Müdigkeit und Schwindel beschrieben, jedoch lediglich in leichten, nach Absetzung des Medikamentes sofort reversiblen Formen. Das eben zugelassene Präparat soll im späten Frühjahr 2005 in den Apotheken erhältlich sein.

In Deutschland meldete sich die THC Pharm, Europas erster Erzeuger von Dronabinol (synthetisches THC) aus Nutzhanf, zu Wort: "Sativex® wird dazu beitragen, die Diskussion über den medizinischen Nutzen von Cannabis wesentlich zu versachlichen", so Holger Rönitz, Geschäftsführer der THC Pharm GmbH, "auch wenn die deutsche Zulassung erst später erfolgen soll". Wünschenswert sei nun, dass die Krankenkassen auch bei den schon jetzt verfügbaren Cannabisrezepturen eine adäquate Patientenversorgung nicht mit dem Hinweis auf angeblich fehlende Studien und Zulassungen blockieren.
(Quellen: Medicalnewstoday, THC Pharm)


Apotheken vs. Coffeeshop (21.03.2005)

In einer unabhängigen Erhebung (Universität Leiden) wurden Preis und Qualitäten von Cannabis aus niederländischen Coffeeshops und der Apothekenware vom Büro für medizinisches Cannabis (BMC) des Gesundheitsministeriums verglichen.

Abgesehen von der besseren Produktinformation (genaue Kenntnis des standardisierten THC-Gehaltes) bestach die Apothekenqualität durch Sauberkeit: Verunreinigungen mit Schimmelpilzen oder Coli-Bakterien, wie sie auf manchem Coffee-Shop-Marihuana zu finden waren, konnten nicht nachgewiesen werden. Für kranke Menschen wurden die Mengen an Mikroorganismen (bei oraler Aufnahme) als nicht unbedenklich eingestuft.

Der etwas höhere Preis des medizinischen Cannabis ist im Hinblick auf die Qualität also durchaus gerechtfertigt. Zumal dieser sich durch Unehrlichkeit der Coffee-Shop-Besitzer weiter relativiert: Das Cannabis aus den Apotheken war 10 bis 40 Prozent teurer, aber die Coffee-Shops verkauften häufig 5 Prozent zu wenig. Ein Coffee-Shop gab gar nur 7,5 Gramm anstelle der 10 Gramm, die bestellt und bezahlt worden waren.
(Quelle: IACM-Informationen 19.03.05, Newsletter des BMC)


Leberzirrhose und Prostatakrebs (21.03.2005)

Wissenschaftler der Universität von Wisconsin fanden heraus, dass CB1- und CB2-Rezeptoren in einer höheren Konzentration in Krebszellen der Prostata als in normalen Prostatazellen auftreten. Die Behandlung mit einem Cannabinoid (WIN55,212-2) resultierte in einer dosisabhängigen Hemmung des Zellwachstums und einer Induktion des programmierten
Zelltodes bei den Krebszellen. Die Wissenschaftler stellten zudem weitere Antikrebswirkungen in den Zellen fest. Sie schrieben, dass Cannabinoide "als neue therapeutische Mittel für
die Behandlung des Prostatakrebses entwickelt werden könnten."
(Quelle: Sarfaraz S, et al. Cancer Res 2005;65(5):1635-41, übernommen aus dem IACM-Newsletter vom 19. 3. 05)

Nach neuer Forschung spielt der Cannabinoid-2-Rezeptor eine antifibrinogene Rolle in der Leber, und Cannabinoide können helfen, die Entwicklung eine Leberfibrose zu blockieren. CB2-Rezeptoren wurden in Leberzellen von Patienten mit einer aktiven Zirrhose gefunden, fehlten jedoch in der normalen Leber. Die Aktivierung von CB2-Rezeptoren verursachte starke antifibrinogene Effekte, darunter Hemmung des Wachstums fibrogener Leberzellen und programmierten Zelltod. Die Autoren stellen fest, dass ihre Forschungen "die antifibrinogene Rolle von CB2-Rezeptoren bei chronischer Leberschädigung hervorheben."
(Quelle: Julien B, et al. Gastroenterology 2005;128(3):742-55; übernommen aus dem IACM-Newsletter vom 19.03.05)


Marihuana gegen Alzheimer (23.02.2005)

Ein aktiver Bestandteil von Marihuana kann den durch eine Alzheimererkrankung verursachten geistigen Verfall zum Stillstand bringen. Wissenschafter der Universidad Complutense de Madrid haben nachgewiesen, dass eine synthetische Version des Wirkstoffes die Entzündungen verringert, die mit Alzheimer in Verbindung gebracht werden. Das Team hofft, dass das Cannabinoid bei der Entwicklung neuer Medikamente zum Einsatz kommen kann. Die Ergebnisse der gemeinsam mit dem Instituto Cajal durchgeführten Studie wurden im Journal of Neuroscience veröffentlicht.

In einem ersten Schritt verglichen die Wissenschafter Gehirngewebe von Patienten, die an Alzheimer gestorben waren, mit Proben von gesunden Menschen, die zum Zeitpunkt ihres Todes ähnlich alt waren. Sie untersuchten jene Gehirnzellenrezeptoren, an die sich Cannabinoide anbinden und so eine Wirkung ermöglichen. Zusätzlich wurden die Microglia
analysiert, die die Immunreaktion des Gehirns aktivieren. Microglia sammeln sich in der Nähe von Plaqueablagerungen an und verursachen in aktivem Zustand eine Entzündung. Das Team wies eine drastisch verringerte Funktion der Cannabinoidrezeptoren im Gehirngewebe der Alzheimerpatienten nach. Dieser Umstand wies darauf hin, dass die schützenden Eigenschaften des Cannabinoids nicht mehr genutzt werden konnten.

In der Folge wurde die Wirkung der Cannabinoide an Ratten gestestet, die Amyloidinjektionen erhalten hatten. Jene Tiere, die zusätzlich eine Dosis Cannabinoid erhielten, schnitten bei der Überprüfung ihrer mentalen Funktionen deutlich besser ab. Die Amyloidzellen aktivierten in den
Gehirnen der Ratten die Immunzellen. Die Tiere der Cannabinoid-Gruppe wiesen laut BBC keine Anzeichen einer Aktivierung der Microglia auf. Mit Zellkulturen wiesen die Forscher nach, dass die Cannabinoide der Aktivierung der Microglia entgegenwirkten und daher die Entzündung
verringerten.
(Quelle: pte 23.02.05)


Barcelona startet Cannabismedizin-Pilotprojekt (01.02.2005)

In der nordostspanischen Metropole Barcelona können bestimmte Patienten Cannabis künftig legal in der Apotheke erwerben. Dies sieht ein Pilotvorhaben vor, auf das sich die Behörden der Region Katalonien mit dem Madrider Gesundheitsministerium verständigt haben. Das Experiment ist nach Presseberichten vom Dienstag für Patienten bestimmt, die unter besonders schweren Krankheiten wie Aids, Krebs, Multipler Sklerose oder chronischen Schmerzen leiden.

Sie sollen Cannabis in der Form von Kapseln in 60 Apotheken und 4 Krankenhäusern erhalten können. Die Kapseln mit dem Cannabispulver sollen Schmerzen und Nebenwirkungen von Chemotherapien lindern. Für den Erwerb der Droge sollen die Patienten besondere Ausweise erhalten. Das Pilotprojekt soll sich auf ein Jahr beschränken. Auf die Zahl der teilnehmenden Patienten haben die zuständigen Behörden sich bisher noch nicht verständigt.

In den Niederlanden hatte ein ähnliches Experiment nicht die erhofften Resultate gebracht. Der Verkauf von Cannabis in den Apotheken blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Vor allem Coffee-Shops und illegale Anbieter erwiesen sich auf Grund niedrigerer Preise als starke Konkurrenz für die Apotheken. In Österreich und Deutschland ist der Verkauf von Cannabis verboten. (APA/dpa)


Sativex: Kanada wird genehmigen (05.01.05)

Der Cannabisextrakt Sativex der britischen Firma GW Pharmaceuticals erhielt vom kanadischen Gesundheitsministerium (Health Canada) eine Qualifizierungsmitteilung für eine arzneimittelrechtliche Zulassung. Die erlaubte Indikation: Linderung neuropathischer Schmerzen bei Multipler Sklerose.

Kurz zuvor hatten die Behörden in Großbritannien mehr Beweise für den Nutzen des Medikaments verlangt; der abschlägig beschiedene Zulassungsantrag hatte sich auf die Behandlung der Spastik bei Patienten mit Multipler Sklerose gerichtet.

Sativex ist ein Ganzpflanzen-Cannabisextrakt, der oral in gesprühter Form verabreicht wird. Die Vermarktungsrechte liegen exklusiv bei der Firma Bayer. Das kanadische Gesundheitsministerium hat bestätigt, dass Sativex die Voraussetzungen erfüllt, um für eine Zulassung in Frage zu kommen. Von GW verlangt das Ministerium, dass die Firma innerhalb von 30 Tagen antwortet und die Bedingungen akzeptiert; Analysten zufoge eine reine Formsache. GW erklärte, es erwarte die vollständige Zulassung Anfang 2005.

(Quellen: Pressemitteilung von GW Pharmaceuticals vom 21. Dezember 2004, IACM-News vom 25.12.04)

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