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News 2006

Cannabis gegen Schmerzen vor dem Durchbruch (09.11.06)

Anlässlich der 6. Österreichischen Schmerzwochen der Österreichischen Schmerzgesellschaft
hat der Schmerzexperte Hans-Georg Kress, Leiter der Universitätsklinik für Anästhesie und Allgemeine Intensivmedizin am AKH Wien erneut die Bedeutung der pflanzlichen Cannabinoide in der Schmerztherapie hervorgehoben. Auch international sei in die Diskussion um die Verwendung dieser Substanzen in der Schmerztherapie Bewegung gekommen. Es gebe positive Signale aus der Schweiz und auch aus Italien.

Die italienische Regierung will Cannabis zu therapeutischen Zwecken legalisieren (Anm: Standard-Meldung vom 19. 10. 06: Gesetz gebilligt: Verwendung von Cannabis für Menschen mit chronischen Schmerzen wird legal) und dessen Verwendung für Menschen mit chronischen Schmerzen regeln. Die Schweizerische Multiple Sklerose-Gesellschaft begrüßte erst vor kurzem ausdrücklich den Vorschlag der nationalrätlichen Gesundheitskommission, Cannabis für medizinisch-therapeutische Zwecke zu legalisieren, berichtet Kress im pressetext-Interview. "Es ist allerdings anzumerken, dass es sich bei den Präparaten nicht um Cannabis, also Marihuana oder Haschisch handelt. Diese bleiben auch weiterhin nicht verschreibbar und auch nicht verkehrsfähig", betont der Mediziner. "In Österreich erlaubt und verfügbar sind derzeit nur Cannabinoid-Einzelsubstanzen wie das delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) sowie ein synthetisches Derivat."

"Bewährt haben sich nach Evidenz-basierten Untersuchungen Anwendungen bei Krebs- und Palliativpatienten sowie bei anderen, nicht-palliativen ausgewählten Indikationen wie Multiple Sklerose, Spinaler Querschnitt und neuropathischen, also durch Nervenschädigung oder -reizung hervorgerufene Schmerzen," berichtet Kress. Auch bei entzündlichen Erkrankungen des Darmes, neurodegenerativen Erkrankungen, zentralen Bewegungsstörungen wie Multipler Sklerose, der Tic-Krankheit Tourette-Syndrom könne man THC verabreichen. "Daneben hat sich die Anwendung in der Palliativmedizin bei der Behandlung von Therapie-ausgelöster Übelkeit oder Erbrechen, Appetitlosigkeit sowie auszehrungsbedingtem Gewichtsverlust bei Aids oder Krebs bewährt."

"Neu ist die Erkenntnis, dass Cannabinoide bei der rheumatoiden Arthritis eine zusätzliche schmerzlindernde Wirkung ausüben können." Nicht bewährt jedoch haben sich Cannabinoide beim postoperativen Akutschmerz. "Die Verwendung von natürlichen Cannabinoiden kann gerade beim Auftreten von Problemen mit konventionellen Medikamenten erfolgreich sein", erklärt Kress, der Leiter der größten Schmerzambulanz Österreichs ist.

Als Fertigarzneimittel gebe es THC derzeit noch nicht. Ein deutsches Pharmaunternehmen arbeite aber gerade daran. Ehe dieses Produkt auf dem Markt sein wird werde es allerdings noch ein bis zwei Jahre dauern, schätzt der Mediziner. "Derzeit gibt es allerdings zahlreiche Apotheken, die Tabletten oder Tropfen aus der Wirksubstanz zubereiten und gegen ein so genanntes Suchtmittelrezept abgeben", erklärt Kress. Krankenkassen bezahlen die Präparate auf Antrag. Kress betont, dass der natürliche Wirkstoff wesentlich kostengünstiger sei, als das synthetisch hergestellte.

Die meisten klinischen Daten über die Wirkungen liegen derzeit für Multiple Sklerose vor. Bei einer großen britischen Studie konnte im Vergleich zu Placebo eine signifikante subjektive, jedoch nicht objektivierbare Reduktion der Spastik unter dem Cannabisextrakt festgestellt werden. "Zudem wurde bei den Patienten eine objektivierbare funktionelle und eine deutliche subjektive Verbesserung festgestellt", berichtet Kress. "In weiteren kleineren Studien konnte festgestellt werden, dass es zu einer Verbesserung von Spastik, Blasenfunktion und Lebensqualität sowie zu einer deutlichen Reduktion von MS-assoziierten neuropathischen Schmerzen kam", erklärt der Mediziner abschließend im Interview.
(Quelle: pte, Wolfgang Weitlaner, 09.11.06)


Cannabis unterstützt Behandlung von Hepatitis C (18.09.06)

Drogenabhängige, die mit dem Hepatitis C-Virus infiziert sind, führen ihre Behandlung mit Medikamenten häufiger bis zum geplanten Therapieende durch, wenn sie Cannabis konsumieren, und sie haben ein besseres Therapieergebnis. Dies berichteten Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in der Zeitschrift "European Journal of Gastroenterology and Hepatology". Cannabis könnte ihnen helfen, die Nebenwirkungen der antiviralen Medikamente, die den Virus zum Verschwinden bringen können, jedoch häufig Fieber, Schüttelfrost sowie Muskel- und Gelenksschmerzen verursachen, zu ertragen, schrieben die Forscher.

Dr. Diana Sylvestre und ihre Kollegen testeten 71 Patienten, die Interferon und Ribavirin zur Behandlung ihrer Hepatitis C erhielten. Interferon fördert die Immunabwehr und Ribavirin greift den Virus an. 22 Teilnehmer (31 Prozent) nahmen zusätzlich Cannabis. Von allen Patienten brachen 24 Prozent die Therapie frühzeitig ab, darunter nur ein Cannabiskonsument, jedoch 16 Nichtkonsumenten. Etwa die Hälfte der Cannabiskonsumenten (54 Prozent) wurden erfolgreich mit den Medikamenten behandelt, was bedeutet, dass das Virus nicht länger nachweisbar war, verglichen mit nur 18 Prozent in der Kontrollgruppe. Und nur 14 Prozent der Cannabiskonsumenten erlitten ein Rezidiv, verglichen mit 61 Prozent der Nichtkonsumenten. Rezidiv bedeutet, dass das Hepatitis C- Virus nach einer gewissen Zeit wieder nachweisbar war.

Die Forscher folgerten, dass diese "Ergebnisse nahe legen, dass moderater Cannabiskonsum einen symptomatischen und virologischen Nutzen für einige Patienten, die sich einer HCV- Behandlung unterziehen, bieten könnte, indem es ihnen hilft, die herausfordernde Medikation fortzuführen."

(IACM-Informationen vom 16. Sept. 2006; Quellen: Reuters vom 13. September 2006; Sylvestre DL, Clements BJ, Malibu Y. Cannabis use improves retention and virological outcomes in patients treated for hepatitis C. Eur J Gastroenterol Hepatol 2006;18(10):1057-63.)


CBD hemmt Tumore (12.06.06)

Italienische Wissenschaftler untersuchten die tumorhemmenden Wirkungen von fünf natürlichen Cannabinoiden der Cannabispflanze (Cannabidiol, Cannabigerol, Cannabichromen, Cannabidiol-Säure und THC-Säure) bei Brustkrebs.
Cannabidiol (CBD) war das wirksamste Cannabinoid bei der Hemmung von menschlichen Brustkrebszellen, die unter die Haut von Mäusen injiziert worden waren. CBD reduzierte auch die Lungenmetastasen, die aus menschlichen Brustkrebszellen, die in die Pfoten der Tiere injiziert worden waren, entstanden waren.
Der Effekt wird offenbar durch die Induzierung des programmierten Zelltodes (Apoptose) erzielt. Zuähnlichen Resultaten gelangten US-Wissenschaftler, die feststellten, dass CBD "eine neue und hochselektive Behandlung für die Leukämie sein könnte".
(Quelle: IACM-Informationen 10.06.06)


Bern verkauft Cannabis? (10.06.06)

Per 1. Juni wurde es beschlossene Sache: Die Stadtregierung Bern wird einen als Forschungsprojekt bezeichneten Pilotversuch zum kontrollierten Verkauf von Cannabis prüfen. Einem entsprechenden Antrag der Grünen wurde im Stadtparlament mit deutlicher Mehrheit (38:22 Stimmen) entsprochen.
(Quelle: espace.ch, Schweizer Hanf-Koordination)


THC zerstört Leukämie-Krebszellen (01.03.06)

Englische Wissenschaftler haben entdeckt, dass Tetrahydrocannabinol (THC) Krebszellen zerstört. Dazu hat ein Forscherteam um Wai Man Liu von der Queen Mary's School of Medicine and Dentistry in mit THC behandelten Zellen Veränderungen bei über 18.000 Genen aufgespürt. Diese geben Aufschluss über komplexe Prozesse, die in mit dem Cannabinoid
versehenen Krebszellen ablaufen und für deren Zerstörung verantwortlich sind. Ihre Studienergebnisse haben die Forscher jetzt in der aktuellen Ausgabe der Letters in Drug Design & Discovery veröffentlicht.

Das Potenzial von THC als Tumor-Killer wurde erst in der letzten Zeit entdeckt. Die Forscher aus London fanden heraus, dass THC besonders auf Leukämiezellen effektiv einwirkt, die sich bei Blutkrebs im Knochenmark ausbreiten und dort die lebenswichtige Blutbildung stören. Die Ergebnisse von Liu und seinen Kollegen könnten sich für Leukämie-Patienten als lebensrettend erweisen. Jährlich erkranken daran etwa 10.000 Menschen in Deutschland.

Etwa ein Viertel der an Leukämie erkrankten Kinder reagieren nicht auf die herkömmliche Behandlung. Hier könnte THC einen neuen Ansatzpunkt liefern um alternative Therapien zu entwickeln.
Quelle: pte 28.02.06


Endocannabinoide kontrollieren Immunsystem (13.01.06)

Wissenschaftler der Universität Magdeburg haben gemeinsam mit Kollegen in Berlin, Seattle und New York einen entscheidenden Durchbruch beim Verständnis des humanen Immunsystems erreicht: Das Forscherteam um Oliver Ullrich vom Institut für Immunologie der Universität Magdeburg hat den Mechanismus, wie das Immunsystem im Gehirn unter Kontrolle gehalten wird, entdeckt. Dieser wird von Endocannabinoiden kontrolliert und ist wahrscheinlich auch bei entzündlichen Nervenzellerkrankungen, wie etwa der Multiplen Sklerose, beteiligt, berichtet der Forscher in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Neuron".

Endocannabinoide sind erst im vergangenen Jahrzehnt entdeckt worden und sind körpereigene Bindungspartner an Cannabinoid-Rezeptoren, die in verschiedenen Formen im Nerven- und Immunsystem vorkommen. Dieses System ist evolutionär, wahrscheinlich uralt und wird sogar schon von Pflanzen zur Signalübertragung bei Schutz- und Abwehrreaktionen verwendet. Bekannt war den Wissenschaftlern bereits, dass Endocannabinoide stark in die Regulation der Nervenzellfunktion eingebunden sind. Nun ist den Magdeburger Forschern der Nachweis gelungen, dass auch das Immunsystem im Gehirn unter der Kontrolle von Endocannabioiden steht.

"Denn bei Schadensprozessen im Gehirn werden diese Endocannabinoide in großen Mengen freigesetzt und schlagen dort Alarm", so Ullrich. Das wiederum locke so genannte Mikrogliazellen an, die an den Ort der Schädigung wandern, um dort normalerweise helfend einzugreifen. Die Endocannabinoide sorgen dann dafür, dass diese Mikrogliazellen in Schach gehalten werden, damit es zu keiner für das Nervengewebe gefährlichen Überreaktion des Immunsystems kommt. Dem Forscherteam ist es nun gelungen, festzustellen wie diese Kontrolle auf molekularer Ebene funktioniert. Darüber hinaus konnten sie durch Experimente am lebenden Hirngewebe zeigen, dass es durch einen Eingriff in das Endocannabinoidsystem möglich ist, Nervenzellen vor entzündungsbedingter Schädigung zu schützen. Diese Situation kommt beispielsweise bei der Multiplen Sklerose (MS) vor. Die Wissenschaftler konnten in Geweben von MS-Patienten auch deutliche Hinweise darauf finden, dass dieser Mechanismus dort eine Rolle spielt. "Unsere Ergebnisse machen Hoffnung, bald viel effektiver und spezifischer in Entzündungsmechanismen im Gehirn eingreifen zu können, als das bisher möglich war", erklärt Ullrich abschließend.
(Quelle: pte-Meldung 05.01.06)


Schweiz: Neustart für "vernünftige Drogenpolitik" (13.01.06)

2004 versanken sämtliche Schweizer Ansätze um eine fortschrittlichere Drogenpolitik im Sand; für die zahlreichen Pro-Hanf-Initiativen hieß es zurück an den Start. Die Hanfaktivisten ließen sich jedoch nicht entmutigen und dürfen heute ihren ersten großen Erfolg feiern:
Am 13. Januar 2006 um 10:30 hat das Komitee „Pro Jugendschutz gegen Drogenkriminalität“ die Unterschriften der Volksinitiative „Für eine vernünftige Hanf-Politik mit wirksamem Jugendschutz“ in Bern der Bundeskanzlei überreicht. Mit über 134.000 Unterschriften wurde die erforderliche 100.000er Marke deutlich überschritten.

In zwei bis drei Jahren wird nun neuerlich vom Volk über einen neuen Verfassungsartikel abgestimmt. Der Text:
1. Der Konsum psychoaktiver Substanzen der Hanfpflanze sowie ihr Besitz und Erwerb für den Eigenbedarf sind straffrei.
2. Der Anbau von psychoaktivem Hanf für den Eigenbedarf ist straffrei.
3. Der Bund erlässt Vorschriften über Anbau, Herstellung, Ein- und Ausfuhr von sowie Handel mit psychoaktiven Substanzen der Hanfpflanze.
4. Der Bund stellt durch geeignete Massnahmen sicher, dass dem Jugendschutz angemessen Rechnung getragen wird. Werbung für psychoaktive Substanzen der Hanfpflanze sowie Werbung für den Umgang mit diesen Substanzen sind verboten.
(Quelle: www.projugendschutz.ch)


Island on the Rhode: Cannabis als Medizin (13.01.2006)

Am 3. Januar wurde Rhode Island der 11. Staat der USA, der medizinisches Cannabis legalisiert. Das staatliche Repräsentantenhaus stimmte mit 59 zu 13 Stimmen bei einer Enthaltung dafür, ein Veto von Gouverneur Don Carcieri zu überstimmen. Damit dürfen Menschen mit Erkrankungen wie Krebs und Aids bis zu 12 Cannabispflanzen anbauen oder 70 Gramm Marihuana kaufen, um ihre Symptome zu lindern. Das Gesetz verlangt, dass sie sich staatlich registrieren lassen und eine Ausweiskarte mit Foto erhalten.

Die Bundesgesetze verbieten jede Verwendung von Cannabis, aber Maine, Vermont, Alaska, Kalifornien, Colorado, Hawaii, Montana, Nevada, Oregon und Washington haben staatliche Gesetze, nach denen es für medizinische Zwecke angebaut und verwendet werden darf. Das medizinische Cannabisgesetz von Rhode Island ist das dritte, das durch den staatlichen Gesetzgeber verabschiedet wurde. In den anderen acht Staaten wurden Volksentscheide zu diesem Thema angenommen.

Die Gesetzgeber von Rhode Island verabschiedeten ihr medizinisches Cannabisgesetz am 7. Juni 2005. Carcieri legte ein Veto ein, der staatliche Senat überstimmte es jedoch am nächsten Tag. Um das Veto eines Gouverneurs zu überstimmen, sind drei Fünftel der Stimmen in beiden Kammern erforderlich. Mit der aktuellen Entscheidung des Repräsentantenhauses tritt das Gesetz sofort in Kraft.
(Quelle: Associated Press vom 3. Januar 2006)

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