Mit 8 Jahren wurde bei mir erstmals eine Hüftluxation
festgestellt, die erste künstliche Hüfte hat man mir mit 16
implantiert. Ich hatte immer wieder Probleme mit den Beckenknochen,
die Schmerzen waren damals aber noch nicht so arg. Die künstliche
Hüfte hat nie richtig funktioniert, auch weil ich keine Rücksicht
darauf genommen habe. Wir halten jetzt bei künstlichem Hüftgelenk
Nr. 9 oder 10, der letzte Einbau war vor drei Jahren. Eine für meine
Verhältnisse ziemlich lange Phase. Warum ich auf Dauer keine
Hüftgelenke vertrage, kann niemand erklären. Das ganze ist eine
fortschreitende Knochenkrankheit, die in frühester Kindheit begonnen
hat. Für diese Krankheit gibt es keine Diagnose. Ich bin auch selber
schuld, hab einen zu schweren Beruf erlernt - Metallbearbeitung und
Ziseleur. Bis vor 10 Jahren hab ich gearbeitet.
Vor 8 Jahren ging dann nichts mehr - kein Implantat konnte ich
mehr vertragen, ich hab einen multiresistenten Virus aufgerissen.
Mit Infusionen bekam man das dann doch irgendwie in den Griff, ich
hab jetzt wieder ein Implantat drinnen, so eine Art Endlösung. Das
kann sogar eitern und muss trotzdem nicht entfernt werden. Es kann
dem Knochen nicht schaden, viel ist vom Knochen sowieso nicht mehr
da. Eine Sattelprothese. Aber die Dinger spür ich sehr stark. Wenn
ich aus dem Rollstuhl aufstehe ist das so, wie wenn ich auf einer
Nadelspitze stehe. Sobald Gewicht draufkommt tut es weh, auch noch
wenn ich mich wieder hingesetzt hab, einige Stunden lang. Ich steh
trotzdem im Alltag häufig auf.
Niemand weiß was dahinter steckt. Vor dem jetzigen Implantat gab
es noch Rettungsversuche - mir wurde dreimal das Becken gebrochen
und anders zusammengesetzt. Das spür ich auch.
Die Schulmedizin verschreibt mir Schmerzmittel wie Traumal,
Indometacin und Psychopharmaka, Seropram z.B.. Die Psychopharmaka
sind kurzfristige Geschichten, der Körper hat sich immer rasch daran
gewöhnt, dann hätte ich die Dosis erhöhen müssen.
2000 kam dann die Morphium-Pumpe, stündlich erhielt ich 2,5 mg
Morphium. Das war das Ärgste bisher. Ich war so sediert, das kann
sich niemand vorstellen - ich bin während des Essens oder Redens
eingeschlafen, wusste nicht welcher Wochentag ist oder hab
vergessen, worüber eine Stunde zuvor geredet worden ist.
Auf Cannabis bin ich als Freizeitkonsument gekommen, nach der
Morphiumpumpe. Die hab ich mir zwei Monate angetan, dann hab ich
gesagt weg damit und es wieder mit den herkömmlichen Mitteln
versucht, in Kombination und mit erhöhter Dosierung. Damit hab ich
aber keinen guten Erfolg gehabt. Gut ging es mir mit dem Rauchen, da
war mit einem Joint einen halben Tag Ruhe. Die Schmerzen sind schon
bemerkbar, aber ich hab nicht ständig nur den Biss im Hinterkopf,
ich kann auch andere Sachen daneben machen.
Schulmedizinische Schmerzmittel nehme ich zusätzlich nur noch,
wenn es ganz krass ist. Da lieg ich dann schon im Bett, steh nimmer
auf. Aber nur zusätzlich, eigentlich lass ich das alles ganz weg.
Ich schlucke nur Kreislaufpulver, die Blutverdünner, Herzmittel. Mit
dem Cannabis kann ich massiv reduzieren, ich hatte ja schon eine
Operation wegen eines Magengeschwürs durch die vielen Präparate.
Auch die Psychopharmaka - da hatte ich Nebenwirkungen wie wenn ich
betrunken wäre, mit Cannabis erspar ich mir das.
Ich nehme im Schnitt 40 Tropfen öligen Cannabis-Extrakt täglich
(10 mg THC, Anm.), aufgeteilt auf dreimal. Als zweites Tee und ab
und zu rauchen, weil ich es nicht so mit der Lunge derpack. Ich
rauch zwar Zigaretten, aber bei Cannabis muss ich husten, egal wie
wenig ich nehme. Dabei wäre mir die rasche Wirkung sehr recht.
Dronabinol (synthetisches THC, Anm.) hab ich noch nie probiert.
Gegen Schmerzen ist das nicht viel.
Da spür ich es auch noch, wenn ich wirklich schmerzfrei sein will
brauch ich mehr. Das doppelte. Ich will aber nicht so viel nehmen.
Bei 80 Tropfen fangen die psychischen Wirkungen an, die ich nicht
unbedingt haben muss. Ich hab auf einer Skala von 1 bis 10 einen
Dauerschmerz von 8, 9 - ohne Cannabis. Mit Cannabis komm ich runter
auf 4 oder 5. Der Schmerz sekkiert mich nicht mehr so. Ich könnte
ihn auch ganz zudecken, aber dann hab ich wieder die psychotropen
Wirkungen.
Opiate und Cannabis kumulieren in der schmerzhemmenden Wirkung.
Hast du damit eine Erfahrung gemacht?
Ich hab unlängst versucht, mit Mundidol zu kombinieren, ein
Opiat. Da hab ich eine gewaltige Nebenwirkung, ich geh stündlich
brechen.
Was tun die Ärzte eigentlich noch für dich?
Nix. Meine Hausärztin weiß über meine Cannabis-Medikation
Bescheid, aber sie kennt sich da weniger aus als ich selbst.
Warum suchst du sie dann noch auf?
Ich hab da einen neuen Schmerz an der Seite, ein Bekannter hat
gemeint es wäre möglich dass das viele Narbengewebe da auf einen
Nerv drückt. Ich hoffe, dass operativ irgendwas möglich ist.
Vielleicht gibt's ja auch wieder irgendwas Neues, ich bin für alles
offen und dankbar. Wenn nicht, mach ich weiter wie jetzt. Ich hoff,
bei meinem nächsten Termin im Krankenhaus hört mir endlich mal
jemand richtig zu, bisher wurde eigentlich immer nur herumprobiert -
Stromtherapie für Muskelaufbau, die beeinflusst den Schmerz nicht;
unter Wasser wird's leichter, aber nicht besser, sobald ich raus bin
kehren die Probleme zurück; entzündungshemmende Spritzen,
Operationen. Nach den Operationen hab ich ein sehr starkes
Schmerzmittel bekommen, das man normalerweise nur einmalig erhält.
Ich hab es täglich bekommen.
Mit Cannabis komm ich über die Runden und brauch viel weniger
Medikamente als ohne. Trotzdem wäre es schön, wenn alles noch ein
bisschen weniger wehtät.