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Mittlerweile ist die Anwendung der Cannabinoide in der Medizin populärer geworden als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Die Hauptdiagnosen, die mit Cannabinoiden behandelt werden, sind im Folgenden aufgeführt:

  • Chronische Schmerzen (Neuropathien)

  • Tumorerkrankung

  • Appetitmangelsyndrom

  • Übelkeit und Erbrechen (z.B. bei Chemotherapie, HIV)

  • Epilepsien 

  • Spastik (Multiple Sklerose, Morbus Parkinson)

  • Querschnittserkrankungen

  • Tourette-Syndrom oder andere Störungen des Bewegungsapparates

  • Morbus Alzheimer

  • Autoimunerkrankungen und Entzündungen (MS, Morbus Crohn, Rheuma, Fybromyalgie)

  • Diverse gemischte Syndrome wie ALS, zerebrale Schäden nach Geburtsasphyxie

  • Restless-Legs-Syndrom

  • Glaukom

  • Asthma

  • Endometriose

  • Abhängigkeit und Entzugssymptomatik, Add-on-Medikation bei Opiatenentzugstherapie

  • Depressionen, Burnout, Belastungsreaktion, bipolare Erkrankungen

  • ADHS

  • Chronische Schlaflosigkeit

Es sind viele weitere Diagnosen mit Cannabinoiden behandelbar, die hier aus Platzgründen und, da sie selten vorkommen, deshalb unerwähnt bleiben. Bei Fragen, ob bei einer bestimmten Krankheit Cannabinoide eingesetzt werden, können die Betroffenen bei uns elektronisch abklären.

Die Darreichungsformen der Cannabinoide umfassen Präparate in öliger Lösung zur oralen Einnahme, alkoholische Lösung für die Inhalation/Vaporisation (ACHTUNG: Niemals ölige Lösung vaporisieren, da Lungenentzündungsgefahr!), Kapseln, orale oder nasale Sprays, Suppositorien und Bucaletten.


Die häufigste Anwendung in der Medizin finden die öligen Lösungen, wobei die Inhalation der Präparate über eine bessere Bioverfügbarkeit (Aufnahme der Wirkstoffe im Körper) aufweist. Allerdings gestaltet sich die Inhalation im täglichen Gebrauch für viele Patient*innen weniger praktisch, sodass die einfachere Handhabung der öligen Lösungen mehr Zustimmung vor allem bei schwerkranken Patienten*innen findet. 

Folgende Cannabinoidpräparate werden in der Medizin angewandt:

  • Dronabinol (Wirkstoff Delta 9-THC); ölige oder alkoholische Lösungen, Kapseln

  • Sativex (Kombinationspräparat von THC und CBD); Oromucosaler Spray

  • Cannabidiol (CBD); ölige, alkoholische, wasserlösliche Lösungen, Kapseln

  • „Donauwasser“ (wasserlösliches THC)

  • Canemes (vollsynthetisches Derivat aus der Gruppe der Cannabinoide); Kapseln

  • Marinol (synthetisches Cannabinoid mit Wirkstoff Delta 9-THC, breitere Anwendung in USA als in Europa); Kapseln

  • Syndros (synthetisches Cannabinoid mit Wirkstoff Delta 9-THC, breitere Anwendung in USA als in Europa); Tropfen

  • Rimonabat/Acomplia (Cannabis-Rezeptoren-Blocker; Zulassung in Europa ruhend), Tabletten

  • Namisol (in Europa noch nicht verfügbar); Sublingualtablette aus natürlichem THC

  • Arvisol (in Europa noch nicht verfügbar); Sublingualtablette aus reinem CBD

  • Epidiolex (in Europa noch nicht verfügbar); natürliches CBD-Produkt, ölige Lösung

Außerdem werden zahlreiche Cannabis-Flos Sorten (die Blüte der Hanfpflanze) in der Medizin eingesetzt, allerdings nicht in Österreich.

Dafür wird Cannabisblütentee (aus Nutzhanf) in der Medizin separat oder in Kombination mit verschriebenen Präparaten empfohlen.


Tipp: Damit die Cannabinoide besser vom Körper aufgenommen werden, ist es ratsam dem Tee einen Schuss Milch oder etwas Öl zuzufügen oder den Tee mit fettbasierter Speise zu genießen, wie z.B. mit einem Butterbrot. Cannabinoide sind nämlich fettlöslich. 

 

Kurt Blaas. Präparate. In: Kurt Blaas (Hg.). „Cannabismedizin. Ein praktischer Ratgeber für Patienten und Patientinnen“. Wien: New Academic Press, 2016, S. 53-61.

Für den Inhalt verantwortlich: Mag.a. Aušra Blaas und Dr. Kurt Blaas

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Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin